Samstag, 9.11. - Istanbul & Beirut

UFOs

Tag 1 in Beirut. Wer in den Libanon will, ist in der Regel in 3 bis 3,5 Flugstunden ab Frankfurt vor Ort. Nicht so bei mir. Die üblichen Pleiten, Pech und Pannenstories summieren das Ganze auf über 24 Stunden. Der Grund: da ich von Basra im Irak zurück fliege, bietet sich Istanbul als zentrale Umstiegsgelegenheit an. Was in der Theorie auch bestens funktioniert. Abends nach Istanbul, morgens weiter dann nach Beirut.

Soweit der Plan. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne die UFO gemacht. Nicht dass ich da Captain Kirk vom Raumschiff Enterprise konsultieren muss. Aber UFO ist die Gewerkschaft der Flugbegleiter und die haben sich mit einem Streik genau zu meinen Flugdaten in ein geruhsames Wochenende verabschiedet.

Nach einigem hin und her wandert mein Flug in den frühen Nachmittag, wird also vorverlegt. Und da mir ein unbeschreibliches Chaos am Flughafen vorausgesagt wird, entscheide ich mich nach dem Früher Vogel fängt den Wurm Prinzip auf eine extremst frühe Anreise. Das Chaos war dann in der Tat unbeschreiblich, denn es gab keins. So schnell war ich schon lange nicht mehr vom Gepäck einchecken zur Gate gekommen. Tja, dann saß er da, der frühe Vogel und hat sich erst einmal um andere Sachen gekümmert.

Nun hatte ich dreizehn (!) Stunden Aufenthalt in Istanbul. Und wer den nagelneuen Flughafen schon mal unter die Lupe genommen hat, wird eines merken. Die Türken können im Gegensatz zu uns zwar Flughäfen bauen, aber ganz, ganz weit weg vom Schuss. Zwar steht der Megaairport in unbeschreiblichem Glanz und Luxus, aber die Anbindung in die 60 oder mehr Kilometer entfernte Metropole muss per Taxi oder Linienbus zurück gelegt werden. Eigentlich ist somit mit An- und Rückfahrt ins Zentrum der 13 Stündige Aufenthalt weitestgehend abgedeckt. Trotz allem nehme ich den Bus, der dann irgendwann an einer Metrostation hält. Ich nichts wie raus und mit der Metro nach beyoglu, Istanbuls ausgehviertel.   

Um drei Uhr kehre ich mit ebensoviel Promille zurück, den Flug nach Beirut verschlafe ich komplett. Dort angekommen, verläuft alles reibungslos bis auf den Nepp der Taxifahrer, die mangels Konkurrenz astronomische Preise für die paar Kilometer ins Zentrum verlangen. Aber man sollte sich ohnehin nicht täuschen: der Libanon ist teuer. Einziger Lacher: der Grenzbeamte checkt meinen Pass mit den vielen Visa und Stempeln akribisch. Nicht bei Afghanistan oder Nordkorea kommt er ins Grübeln, sein Interesse gilt Suriname. Wo das liegt will er wissen. Und als ich es erkläre fällt dr Satz. Muss ich mal googeln, hoffe nicht dass die es mit Israel zu tun haben. Tja, so schnell könnte die Einreise verweigert werden. Aber ich konnte ihn in Punkto Israel beruhigen. 

Jetzt bin ich also da - det Libanon im November 2019. Die Lage ist wie immer höchst kompliziert, Unruhen gegen die Regierung dominieren die Situation. Zudem leidet das kleine ins noch darunter, damals in den Syrienkonflikt hineingezogen zu werden. Doch die Lage ist trotz oder gerade wegen unzähliger Straßensperren ruhig. Der zweite unmittelbare Eindruck: die Narben des eigenen Bürgerkriegs lassen sich überall in Beirut besichtigen – am zerschossenen Holiday Inn, am Platz der Märtyrer, in ganz Downtown. Es beginnt eine Reise in ein Land, in dem der Frieden immer nur kurz zu Besuch ist.

Dritter Eindruck: Man erkennt sie sofort, die libanesischen Frauen der Oberschicht, die trotz über 30 Grad Jacken mit Pelz tragen inklusive einem grenzenlosem Angebot an Luxus- und Schmuckläden geschuldeten blinkenden und gestyltem Outfit.

Was weiß man vom Libanon? Ich denke gleich an die Hisbollah, die im Libanon als anerkannte Partei im Parlament sitzt und von den USA als Terrororganisation eingestuft wird. Islamisches Leben sehe ich allerdings im Zentrum eher weniger. Klar - die großen Moscheen, aber die Damen auf der Straße tragen kaum Kopftuch, sind, sofern nicht mit Pelz und Klunkern bestückt jung und in libanesische Flaggen gehüllt. Die Vor- oder Nachboten des Aufstandes. Vielleicht eine fragile Ruhe vor dem Sturm. Wir werden es erfahren.

P.S.: Am Abend ist Fußball angesagt. Der Blick auf den Screen verrät die Herkunft. You come from Germany, werde ich begrüßt, als ich mich vor das Bayern-Spiel platziere. Und als ich mit ja antworte, fällt der entscheidende Satz, der den weitern Abend bestimmen wird: Dann kennen Sie sich ja aus mit Bier!!!