Samstag, 23. November - Basra

Kloakistan

Der letzte Tag in Basra nahe der iranischen (15 Kilometer) und kuwaitischen (50 Kilometer) Grenze. Die Stadt ist Über 2600 Jahre alt, wovon außer einem zerbombten Minarett aber nichts mehr übrig geblieben ist. Die Gründe hierfür sind weitgehend den letzten 50 Jahren zu finden. Die Iran Invasion in den 80ern, die Kuwait Invasion Anfang der 90er und die Eroberung durch britische Truppen 2003.

Die Stadt zeigt daher ein relativ modernes Bild besonders nahe des Shatt al Arab-Flusses. Von hier aus soll wohl auch Sindbad der Seefahrer gestartet sein. Definitiv gestartet ist von hier aber Saddam Hussein wohin auch immer. Seine riesige Yacht namens Ocean Breeze steht seit 2003 unberührt am Gagen und rostet vor sich hin. Im Gegensatz hierzu sein Sommerpalast, der nicht wie in Babylon geplündert wurde. Hier soll sich mittlerweile ein Museum mit Artefakten aus Mesopotamien, Babylon und Persien befinden. Andere behaupten, die Miliz hätte sich den riesigen Komplex unter den Nagel gerissen. Ich weiß es nicht.

Denn zur Sightseeingtour gehört eine Bootsfahrt auf dem Shatt Al Arab. Während man in der Stadt vom Krieg nichts mehr sieht, stapeln sich hier die gesunkenen Schiffe. Riesige Tanker bzw. das was noch davon übrig geblieben ist ragen aus dem Fluss heraus und müssen großflächig umschifft werden. Die meisten wurden in den 80ern bombardiert und dann ihrem Schicksal überlassen.

Alt Basra wurde einst als Venedig des Ostens bezeichnet. Kanäle, Kaufmannshäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit markanten Balkonen und so weiter. O sole mio auf arabisch eben. Die Realität ist freilich ernüchternd. Die Gebäude verfallen unter Dreck und Abfall, der Kanal ist eine einzige stinkende Kloake. Das Wort von Kloakistan macht die Runde. Und der Gondelieri ist angesichts des Gestanks entweder von dannen gezogen, um sich einen neuen Job zu suchen oder an irgend einer Seuche gestorben.

Den Rest der Stadtbesichtigung mache ich kurz: Imam Ali Moschee, Denkmal an die Gefallenen des Kriegs von vor 100 Jahren und eine riesige hochmoderne Fußball Arena für 65000 Zuschauer. Vielleicht will sich Basra ja noch für die EM kommendes Jahr bewerben. Baku oder Basra, das macht den Bock dann auch nicht mehr fett.

So animiert verbringe ich den letzten Abend - zudem Zeitpunkt dachte ich jedenfalls es wäre der letzte - in der Sky Bar. Serviert wird hier weder Bier noch andere ein Fußballspiel begleitende Getränke, sondern lediglich Wasser, Brot und Wasserpfeife. Dafür aber erste Englische Liga, erst Palace gegen Liverpool, dann City gegen Chelsea.

Damit möchte ich es für heute belassen, mir fällt momentan auch nicht mehr ein. Freundliche Leute auf dem Markt, ein Teechen Marke Diabetiker-Schock an jeder Ecke und zum Schluss noch eine Runde im Vergnügungspark. Es ist Samstag und da gehen die Leute aus.

P.S.: Der Tag in Basra geht gemütlich zur Neige, denn im 4 Uhr heißt es Aufstehen. Rücklug nach Frankfurt. Es sollte ein frommer Wunsch bleiben. Doch dazu morgen mehr.